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Umgang mit Betroffenen

Im internen Bereich haben wir eine Sammlung mit Zitaten, die manche User von Familie, Freunden, Verwandten und Bekannten zu hören bekamen.

Manche der Sätze sind Floskeln, andere waren als Kompliment gemeint - dennoch kommen sie nicht immer gut an oder können sogar verletzen, obwohl es in bester Absicht gemeint war.

Da es sich auch hierbei um Missverständnisse handelt, möchte ich an dieser Stelle eine Hilfestellung geben.
Einige der Dinge, die gesagt wurden, werde ich hier wiedergeben - versuchen, zu erklären, was gemeint war - und was verstanden wurde - und einen Hinweis zu geben, wie man es besser ausdrücken könnte.

"Wenn du xxkg mehr wiegen würdest, würdest du besser aussehen."
"Mit xxkg mehr würdest wenigstens wieder halbwegs wie ein Mensch aussehen!"

Solche und ähnliche Sätze sollen den Betroffenen eigentlich sagen, dass sie zu schmal/zu dünn sind und zunehmen sollten, um besser auszusehen.

Häufig haben Angehörige jedoch weniger Ahnung von dem BMI und raten daher manchmal unmögliche Zahlen, die Ihnen vielleicht logisch erscheinen mögen, Essgestörte jedoch eventuell in Bereiche bringen würden, die für den Betroffenen unerträglich wären - alleine in Gedanken.
Häufig werden solche Kommentare als ein "Sie wollen, dass ich dick werde!" verstanden.
Reaktionen wie Tränen, Wut, Ärger, Trotz oder ähnliches Verhalten wird von Angehörigen nicht verstanden - sie meinten es doch nur gut.

Sinnvoller wäre es, in einem ernsten Gespräch zu versuchen, dem Betroffenen klar zu amchen, was man sieht - udn wie erschreckend es ist - und Sorge zu äussern. Kommentare, die man nebenher abgibt verfehlen ihr Ziel häufiger, als in einem ernsten Gespräch geäusserte Sorgen.

"Jetzt stell dich nicht so an!"
"So schwer kann es doch wohl nicht sein, vernünftig zu essen!"
"Komm schon, so viel ist das doch nicht."
"Das Bisschen wirst du doch wohl auch noch schaffen!"

Wer kennt sie nicht? Solche und ähnliche Kommentare am Esstisch. Angehörigen scheint es schwer zu fallen, nachzuvollziehen, was für eine große Überwindung Essen oftmals bedeutet.
Vermutlich beruhen solche und ähnliche Sätze auf Unverständnis, manche mögen vielleicht auch als Motivation gedacht gewesen sein - dennoch verletzen sie.

In Gesellschaft zu Essen ist oft schwieriger, als alleine zu Essen - man schämt sich, fragt sich, was die anderen wohl denken. man fühlt sich beobachtet und denkt häufig die ganze Zeit darüber anch, ob die anderen einen innerlich verhöhnen, weil man so "verfressen" ist..
Wenn man dann auch noch gesagt bekommt, dass man sich nicht so anstellen soll, ist das sehr verletzend. Genauso erniedrigent ist es, wenn man sich soieso schon voll fühlt, Magenschmerzen hat und einem schelcht ist, weil man so viel mehr als sonst gegessen hat - und immer noch mehr essen soll.
Man bekommt schnell das Gefühl, gemästet zu werden, oder denkt sich "Ich habe schon so viel gegessen, reicht es denn nicht?!"

Auch ist es nicht gut, zu hetzen. Oft braucht das Essen viel Zeit. Wenn also noch etwas auf dem teller liegt und der Betroffene eine Pause macht, könnte man auch - wenn man dennn unbedingt etwas dazu sagen muss - nachfragen "Möchtest du noch fertig essen, brauchst aber eine Pause, oder bist du satt?"
Man sollte es möglichst so formulieren, dass kein Zeitdruck entsteht.
Esstischsituationen sind auch so schon bei vielen Stresssituationen oder eine persönliche Tortur.

"Oh du hast ja einen Bauch!"
"An dir ist ja doch was dran!"
"Hast du zugenommen?"
"So dünn bist du doch gar nicht!"
"Oh, du bist weich."

Alles, was die Figur betrifft und auch nur im Entferntesten darauf hindeuten könnte, dass man zugenommen hat, oder "weich" ist, sollte vermieden werden.
Egal, wie man es formuliert, es kommt in mindestens 90% der Fälle ein "Du wirst fett und solltest abnehmen" an.
Egal, wie auch immer es gemeint gewesen ist - man sollte es am besten einfach sein lassen.

Es verletzt und bestärkt den Betroffenen - selbst bei einem schon sehr niedrigen BMI - dazu, weiter abnehmen zu müssen.

Ebenso verhält es sich mit Sätzen wie:
"Du kannst ja doch ganz gut essen"
"Du bist aber ein guter Esser"
"Ich wusste gar nicht, dass du Pizza/Fast-Food/Süßigkeiten/andere Dickmacher isst, davon wird man doch dick!"
"So wie du zulangst, muss es ja richtig schmecken!"

Solche Aussagen ziehen immer das Gefühl nach sich, verfressen zu sein und weniger essen zu müssen.
Immer.
Also sollten auch alle Aussagen, die andeuten, dass man viel isst, einfach unterlassen werden.

Mir persönlich würden für keine der beiden "Typen" eine nicht-verletzende Variante einfallen.

© Shadow, 2010
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